Elektro Sternhoff

Smart Home · Cornerstone-Vergleich

KNX vs. Free@Home vs. Gira One — welches System passt zu Ihrem Bauprojekt?

Ein ehrlicher Vergleich für Bauherren und Architekten: die drei Bus-Systeme im Direktvergleich, ergänzt um die Funk-Systeme Homematic IP und DuoFern (Rademacher). Eine Empfehlung — keine Marketing-Lyrik. Stand 2026.

Autor
Von Gerhard Sternhoff
Aktualisiert
Aktualisiert April 2026

TL;DR · in 30 Sekunden

Wer im Neubau ein Smart-Home-System wählt, entscheidet für die nächsten 15–25 Jahre. Diese drei Systeme dominieren das Premium-Privatsegment in DACH. Hier die wichtigsten Kennzahlen vorab — die ausführliche Begründung folgt im Artikel.

  • KNX

    • Hersteller-übergreifend (offene Norm)
    • Langlebigkeit 25+ Jahre
    • Architektur-Niveau, beliebig erweiterbar
  • Free@Home

    • Busch-Jaeger-Schalter-Welt
    • App-fokussierte Bedienung
    • EFH-tauglich, schnell installiert
  • Gira One

    • Design-fokussiert (Gira-Programm)
    • Premium-Einstieg im Neubau
    • Reduzierter, sauberer Funktionsumfang

Die passende Systemwahl hängt von Objekt, Ausstattung und Umfang ab. Ein individuelles Angebot erstellen wir nach kostenfreier Vor-Ort-Beratung.

Warum die Frage so wichtig ist

Eine Entscheidung mit 20 Jahren Halbwertszeit.

Wer in der Planungsphase eines Neubaus oder einer Kernsanierung steht, findet auf dem Markt über hundert Smart-Home-Systeme. Die meisten sind Insellösungen einzelner Hersteller, einige sind App-zentriert und cloud-abhängig, viele werden in fünf Jahren nicht mehr gepflegt. Drei Bus-Systeme dominieren das seriöse Premium-Privatsegment in Deutschland, Österreich und der Schweiz: KNX, Busch-Jaeger free@home und Gira One. Für die Funk-Nachrüstung im Bestand ergänzen wir das Repertoire um Homematic IP und DuoFern (Rademacher) — dazu weiter unten mehr.

Die falsche Wahl kostet selten beim Einbau, fast immer beim ersten Umbau nach drei bis fünf Jahren. Ein herstellerspezifisches System lässt sich später nur teuer erweitern, ein zu großes System wird in einem Komfort-Einfamilienhaus nie ausgereizt. Wer im Neubau die falsche Bus-Topologie verlegt oder den Schaltschrank nicht ausreichend dimensioniert, baut sich eine Sackgasse — und die merkt man erst, wenn die Familie wächst, das Dachgeschoss ausgebaut wird oder ein PV-Speicher nachträglich integriert werden soll. Dieser Artikel ordnet die drei Systeme ehrlich ein — nicht als Verkaufstext, sondern als Beratungs-Grundlage. Sternhoff verbaut alle drei Systeme aus eigener Hand — KNX seit 2006. Wir kennen die Schwächen jedes Systems und sagen sie auch, wenn ein Bauherr die Frage offen stellt.

Drei Variablen entscheiden in unserer Praxis über die Systemwahl: das Smart-Home-Budget im Verhältnis zum Gesamtbau, der Erweiterungs-Horizont über die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre und der Anspruch an die Architektur des Schalter-Programms. Wer alle drei Variablen beantworten kann, hat die Systemwahl rasch getroffen. Wer eine der drei nicht klar beantworten kann, sollte vor der Bemusterung mit einem KNX-erfahrenen Elektromeister sprechen — bevor die Bus-Leitung im Estrich liegt.

Direktvergleich

Die drei Systeme im Direktvergleich.

Acht Kriterien, die in jedem Bauherrengespräch wiederkehren — von der Hersteller-Bindung bis zur Funktauglichkeit. Quervergleich auf einen Blick.

KriteriumKNXFree@HomeGira One
Hersteller-BindungKeine (offene Norm)Busch-JaegerGira
BedienkonzeptTaster + App + TouchpanelsApp + SchalterSchalter + App
SkalierbarkeitSehr hochHochMittel
Langlebigkeit25+ Jahre15 – 20 Jahre15 – 20 Jahre
Architekten-ZusammenarbeitJa, eng abgestimmtBedingtSelten
Erweiterung im BestandJa, beliebigJa, in BJ-WeltJa, in Gira-Welt
Funkanteil möglichJa (KNX RF)JaNein
Sternhoff-Erfahrungseit 2006seit Markteinführungseit Markteinführung 2022

Alle Angaben sind Erfahrungswerte aus der Sternhoff-Praxis (Stand 2026). Für die reine Funk-Nachrüstung ohne Bus-System siehe Homematic IP & DuoFern weiter unten. Was Ihr Projekt konkret kostet, hängt von Objekt, Ausstattung und Umfang ab — ein individuelles Angebot erstellen wir nach Vor-Ort-Beratung.

Premium · Hersteller-übergreifend

KNX im Detail.

KNX ist kein Produkt eines Herstellers, sondern ein internationaler Bus-Standard, der seit 1990 weiterentwickelt wird. Über 500 Hersteller bauen Komponenten, die untereinander funktionieren — vom Lichtaktor bis zur Wetterstation. Die Anlage läuft kabelgebunden, ohne Cloud-Zwang und ohne Hersteller-Lock-in. Wer langfristig denken will, baut KNX.

Wann KNX die richtige Wahl ist

  • Premium-Neubau oder Villa mit Vollausstattung Smart Home
  • Mehrere Gewerke koppeln: Licht, Beschattung, HKL, Audio, Sicherheit
  • Bestands-Erweiterung über mehrere Bauphasen geplant
  • Mehrere Architekten oder Planer am Projekt beteiligt
  • Anspruch an hersteller-übergreifende Schalter-Programme

Häufige Irrtümer entkräftet

  • KNX ist nur etwas für Villen.

    Falsch. Wir realisieren KNX bereits ab dem 140-qm-EFH, sobald drei oder mehr Gewerke koppeln sollen. Entscheidend ist die Komplexität, nicht die Quadratmeter — ein 180-qm-Haus mit Vollausstattung ist KNX-typisch.

  • KNX braucht eine Cloud, um zu funktionieren.

    Falsch. KNX läuft komplett lokal über das Bus-Kabel. Cloud-Anbindung ist optional (Visu-Server, Sprachsteuerung) und kann jederzeit getrennt werden — die Anlage funktioniert weiter.

  • KNX bindet mich an einen Hersteller.

    Genau das Gegenteil. KNX ist eine offene Norm (ISO/IEC 14543-3) — Sie kombinieren Aktoren von MDT, Schalter von Gira, Touchpanels von Busch-Jaeger und Wetterstationen von Theben in einer Anlage. Genau deshalb wählen Architekten KNX im Premium-Neubau.

Komfort · Busch-Jaeger-Welt

Busch-Jaeger Free@Home im Detail.

Free@Home ist Busch-Jaegers Antwort auf den Komfort-Markt: ein in sich geschlossenes System, das vor allem im Einfamilienhaus seine Stärken hat. Es kombiniert klassische Schalter mit App-Bedienung und richtet sich an Bauherren, die Smart Home wollen, ohne in eine ETS-Welt einzusteigen. Die Installation läuft schneller als KNX, die Bedienung ist Smartphone-fokussiert.

Wann Busch-Jaeger Free@Home die richtige Wahl ist

  • Einfamilienhaus 140 – 220 qm mit klarem Komfort-Fokus
  • Sie wollen App + Schalter, ohne sich für Touchpanels zu entscheiden
  • Ein Hersteller, ein Schalter-Programm — kein Mix gewünscht
  • Moderater Smart-Home-Anteil im Budget geplant
  • Erweiterungen bleiben in der Busch-Jaeger-Welt akzeptabel

Häufige Irrtümer entkräftet

  • Free@Home ist das günstigere KNX.

    Nicht ganz. Free@Home ist ein eigenständiges System mit anderer Philosophie — App-zentriert, hersteller-gebunden. Wer KNX für Vollausstattung im Premium-Neubau braucht, bekommt mit Free@Home keine gleichwertige Alternative, sondern ein anderes Produkt.

  • Wenn Busch-Jaeger ausläuft, bin ich verloren.

    Übertrieben. Busch-Jaeger gehört zu ABB und gehört zu den größten Schaltersystem-Herstellern Europas. Komponenten sind seit Jahren stabil verfügbar und werden weiterentwickelt. Trotzdem: Hersteller-Bindung ist real und sollte bewusst akzeptiert werden.

  • Free@Home kann alles, was KNX kann.

    Bei Standard-Gewerken stimmt das weitgehend — Licht, Beschattung, Heizung, Türkommunikation. Bei komplexer Logik, hochspezialisierter Sensorik oder Kopplung mit Industrie-Standards (DALI, Modbus, BACnet) erreicht Free@Home seine Grenzen schneller. Für 80 % der EFH-Bauherren spielt das keine Rolle.

Design-Einstieg · Gira-Welt

Gira One im Detail.

Gira One ist 2022 als designorientierter Einstieg in die Gira-Smart-Home-Welt eingeführt worden. Es spricht Bauherren an, denen Schalter-Design, Tablet-Optik und ein klar reduzierter Funktionsumfang wichtig sind. Gira One ist kabelgebunden, läuft ohne Cloud-Zwang und integriert sich in das gesamte Gira-Schalter-Programm — ideal, wenn die Architektur ohnehin Gira-Schalter vorgibt.

Wann Gira One die richtige Wahl ist

  • Neubau mit klarem Gestaltungsanspruch (Gira-Schalter gewünscht)
  • Schlanker Smart-Home-Anteil im Budget geplant
  • Funktionsumfang: Licht, Beschattung, Heizung — keine 30 Sondersensoren
  • Erweiterung später möglich, aber nicht zwingend eingeplant
  • Bedienung primär über Schalter, App als Ergänzung

Häufige Irrtümer entkräftet

  • Gira One ist einfach Gira KNX in günstig.

    Falsch. Gira One ist ein eigenes, geschlossenes System ohne ETS-Programmierung — die Konfiguration läuft über Gira Project Assistant. Wer später auf Gira KNX wechseln will, baut eine neue Anlage, kein Upgrade.

  • Ohne Funkkomponenten ist Gira One unflexibel.

    Im Neubau kein Thema, weil das Bus-Kabel ohnehin verlegt wird. Im Bestand ohne offene Wände ist Gira One tatsächlich die unflexibelste Wahl der drei Systeme — hier sind KNX RF oder Free@Home stärker.

  • Gira One ist nur was für kleine Häuser.

    Stimmt nicht ganz. Wir haben Gira One auch in 220-qm-Neubauten verbaut, wenn der Funktionsumfang bewusst reduziert bleibt — Licht, Beschattung, Heizung, ein zentrales Tableau. Limitiert ist nicht die Hausgröße, sondern die Anzahl gekoppelter Spezialgewerke.

Funk-Nachrüstung · Ohne Wände zu öffnen

Wenn kein Bus-Kabel liegt: Homematic IP & DuoFern.

Nicht jedes Projekt startet mit offenen Wänden. Für den bewohnten Bestand — oder als gezielte Ergänzung einzelner Funktionen — installieren wir zwei Funk-Systeme, die ohne Bus-Verkabelung auskommen. Beide sind keine Alternative zu einem durchgängigen KNX-, free@home- oder Gira-One-System, sondern die richtige Antwort, wenn Nachrüsten ohne Eingriffe in die Bausubstanz gefragt ist.

Homematic IP

Flexibles Funksystem für Heizung, Licht und Beschattung — gut mit klassischer Installation kombinierbar. Stärken: Einzelraumregelung der Heizung, schrittweiser Ausbau, breites Komponenten-Programm.

DuoFern (Rademacher)

Funksystem für Rollläden, Raffstores und Markisen — made in Germany. Stärken: Beschattungs-Nachrüstung mit Zeitprogrammen und Sensorik, ohne eine einzige Wand zu öffnen.

Wann passt Funk-Nachrüstung

  • Bewohnter Bestand, keine offenen Wände geplant
  • Einzelne Funktionen gezielt nachrüsten (z. B. nur Rollläden oder nur Heizung)
  • Budget-Rahmen unterhalb einer Bus-Installation
  • Mietobjekt oder Zwischenlösung bis zur späteren Kernsanierung

Wer im Neubau oder in der Kernsanierung steht, fährt mit einem verkabelten Bus-System langfristig besser — Funk bleibt die Nachrüst-Antwort, nicht der Neubau-Standard. Was im Einzelfall sinnvoll ist, ordnen wir in der Beratung ein.

Entscheidungs-Hilfe

Welches System für Ihr Projekt?

Sieben Wenn-Dann-Regeln aus Bauherrengesprächen seit 2006 — eine erste Orientierung, kein Ersatz für die Vor-Ort-Beratung.

  1. Wenn Ihr Smart-Home-Anteil im Budget schlank bleiben soll

    Gira One
  2. Wenn Ihr Smart-Home-Anteil moderat ausfällt und Sie App-zentriert bedienen wollen

    Free@Home
  3. Wenn Sie eine Villa mit Vollausstattung planen

    KNX
  4. Wenn Sie das System über mehr als zehn Jahre erweitern wollen

    KNX
  5. Wenn Sie eng mit Architekt und Planern abgestimmt bauen wollen

    KNX
  6. Wenn Sie auf Gira-Schalter-Design Wert legen und nicht erweitern wollen

    Gira One
  7. Wenn im Bestand keine Wände geöffnet werden sollen

    Funk-Nachrüstung mit Homematic IP oder DuoFern

Diese Regeln sind eine erste Orientierung — keine Beratung. Im Vor-Ort-Gespräch klären wir Bauphase, Architektur-Anspruch, Budget und Erweiterungs-Horizont und empfehlen ehrlich.

Häufige Fragen

Acht Antworten, die Sie vor der Entscheidung brauchen.

Die Fragen, die uns Bauherren in der Planungsphase am häufigsten stellen — kurz und ehrlich beantwortet.

Eine Frage, die hier fehlt? Schreiben Sie uns kurz — wir antworten in der Regel innerhalb eines Werktags persönlich, nicht per Auto-Responder.

Sternhoff-Empfehlung

Wir verkaufen kein System — wir empfehlen das passende.

Seit 2006 arbeiten wir mit KNX — free@home und Gira One haben wir seit ihrer Markteinführung im Repertoire, dazu Homematic IP und DuoFern für die Funk-Nachrüstung. Aus dieser Praxis heraus sagen wir Bauherren ehrlich, welches System wirklich zu ihrem Projekt passt — auch wenn das bedeutet, dass wir nicht den größten Auftrag schreiben. Ein Komfort-Einfamilienhaus mit free@home ist die bessere Sternhoff-Referenz als eine überdimensionierte KNX-Anlage, die nie ausgereizt wird.

Im Vor-Ort-Termin schauen wir uns Bauphase, Grundriss, Architektur und Erweiterungs-Horizont gemeinsam an und entscheiden ohne Verkaufsdruck. Wenn Sie wissen wollen, welches der drei Systeme für Ihr Projekt passt, vereinbaren Sie ein Erstgespräch — kostenfrei und zeitnah.

Sie wissen, welches System passt — oder Sie wollen es klären.

Wir nehmen uns die Zeit für ein ehrliches Erstgespräch — vor Ort, mit Plänen, ohne Verkaufsdruck. Sie verlassen das Gespräch entweder mit einer klaren Empfehlung oder mit drei sauberen Vergleichswerten.